Oshidori Mako, Journalistin und Komödiantin, Tokyo, Japan

„Ich werde beschattet“

Oshidori Mako ist Komödiantin und freie Journalistin. Mit kritischen Fragen an den Pressekonferenzen des Stromgiganten zur Lage in Fukushima brachte sie die Strombarone von Tepco gegen sich auf. In einem ihr zugespielten internen Memo heißt es, der unbequemen Fragestellerin sei von den Verantwortlichen ins Wort zu fallen. Oshidori Mako ist zwar gegen Atomenergie, versteht sich aber nicht als Aktivistin. Sie betrachtet sich als investigative Journalistin, die sich mit Gesundheitsthemen beschäftigt, zu denen auch die Folgen von Verstrahlung zählen.

»Der Verband der Stromkonzerne Japans hat großen Druck auf die anerkannte Monatszeitschrift Fujin Korin ausgeübt. So hieß es vonseiten der Redaktion, dass ein bereits angekündigter Artikel von mir nur dann veröffentlicht werden dürfe, wenn gleichzeitig drei Beiträge erschienen, die die Atomenergie befürworten. Druck ausgeübt hat auch eine Werbeagentur, weshalb ein geplanter Fernsehauftritt von mir kurzfristig abgesagt wurde. Ich sollte nicht über Atomenergie und den Kraftwerkbetreiber Tepco reden dürfen. Außerdem werde ich vom japanischen Sicherheitsdienst Kôan beschattet und stehe seit 2013 auf einer schwarzen Liste. Wenn ich jetzt Mütter aus der Präfektur Fukushima interviewen möchte, versuchen die Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes die Frauen und ihre Autonummernschilder zu fotografieren. Von einem ehemaligen Agenten erfuhr ich, dass dieses Vorgehen Teil einer Einschüchterungsstrategie sei. Deshalb wollten mir viele Mütter keine Auskunft mehr geben.
Insgesamt gibt es starke Einschränkungen und Druck auf freie Journalisten, die sich mit den Folgen der atomaren Katastrophe auseinandersetzen wollen. In den Massenmedien werden heute fast ausschließlich die Standpunkte der Regierung und von Tepco veröffentlicht. Mit dem Gesetz zum Schutz besonderer Staatsgeheimnisse wird diese Berichterstattung weiter erschwert. Dies betrifft auch Berichte über die gesundheitlichen Folgen.«

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