Thursday, 14 April 2016 11:15

A secretive workplace

Written by  Martin Arnold

Nuclear power plants are well regarded as an employer, but precise inquiries are unwanted in Switzerland as with elsewhere. We would be happy if employees were allowed to speak freely about their jobs, yet interview requests are answered with polite refusals or outright silence. 'You can't force the employees, it's too complicated, the timing isn't right' and other things are offered up as excuses. In France, the excuse is said succinctly: L’État d’urgence, the state of emergency. But how do you get a job at a nuclear power plant? A lot of people work in areas that do not require any special safety requirements. ENSI, the nuclear authorities, reviews the other requirements, and not only with regard to the professional qualifications. Equally important are the medical and psychological tests. In Switzerland, the psychological tests are conducted at the Institute for Applied Psychology (IAP) at the Zurich University of Applied Sciences, where they also simulate stress situations. With the phase-out discussion, jobs in the nuclear industry are becoming less attractive, especially among young people. But research will continue in the field of nuclear energy, and this will remain the case so long as nuclear power plants are being operated or decommissioned. Scientists will also have to conduct research on matters relevant to disposal. This is the case regardless of your attitude to nuclear energy research. Even the majority of nuclear energy opponents realise that the waste has to be disposed underground.

Ein sanftes Lüftchen bläst. Absicht oder Zufall? Air-Condition oder dramaturgischer Trick? Drei Leinwände, wovon zwei abgewinkelt sind, vermitteln IMAX-Stimmung. Turbinen wirbeln auf der Leinwand in einer beängstigenden Nahaufnahme. Ihre Kraft ist spürbar und das Geschenk, das sie darreichen durch den künstlichen Luftzug fühlbar. Was haben wir Besucher gesehen? Eine wunderbare Reise durch das Weltall, eine dumpfe, grollende, akustisch im Dolby Surround Tonsystem explodierende Supernova. Und Sternstaub, der sich im All ausbreitet. Und dann vernehmen wir das Zauberwort: Uran. Das Element war von Anfang an dabei. Was gibt es denn natürliches als Uran denken wir Zuschauer, während auf der Leinwand Zürich by Night wunderbar erstrahlt. Rund 20‘000 Besucher jährlich nutzen hier die Gelegenheit, mehr über das Kernkraftwerk Leibstadt bei Basel zu erfahren und wie es funktioniert. Drei Stunden später schlendert ein kräftig gebauter Mann des Sicherheitsdienstes auf den Autoren dieser Zeilen zu. Er hat gesehen, wie fotografiert wurde. „Das ist verboten!“ „Öffentlicher Grund?“ „Nein, privater Grund, ich muss sie bitten, alle Bilder zu löschen.“ Kein Argument hilft. Obwohl es nur ein harmloses Foto vom Eingangsbereich und dem Kühlturm ist.

Es war das Ziel, an dieser Stelle, die Arbeitsatmosphäre in einem Kernkraftwerk zu schildern, das in Betrieb ist. Dazu hätten wir gerne eine Mitarbeiterin oder einen Mitarbeiter porträtiert. Die Pressestellen der Kernkraftwerke nehmen die Anfragen höflich entgegen und ebenso freundlich waren die Absagen. Die gleiche Situation Monate später in der Normandie: Weder ist eine Besichtigung der Wiederaufbereitungsanlage La Hague möglich, noch kann man den EPR, den neuen Druckwasserreaktor in Flamanville besichtigen. L’État d’urgence – Frankreich im Ausnahmezustand. Die Nachfrage, ob man vielleicht mit einer Mitarbeiterin, oder einem Mitarbeiter ausserhalb des Geländes sprechen könnte, wird mit lautem Schweigen beantwortet. Die Kommunikation der Atomindustrie scheint ebenfalls im Ausnahmezustand. Auch in der Schweiz. Ein Versuch, eine Atomtechnikerin und Mitarbeiterin der Axpo zu porträtieren scheiterte auch. Kein Interesse. Man könne die Mitarbeiter nicht zwingen, zu kompliziert, ungeeigneter Zeitpunkt und andere Dinge verhinderten eine tiefere Auseinandersetzung mit dem Arbeitsort Kernkraftwerk. Sicher: Ein Kernkraftwerk ist kein Molkereibetrieb und eine Besichtigung der geschützten Kraftwerkteile für eine Einzelperson ist aufwändig. Es gilt Sicherheitsaspekte zu berücksichtigen. Der Arbeitsablauf ist gestört, die Mitarbeiter sind ohnehin ständiger Kritik ausgesetzt. Sie fühlen sich von den Medien ungerecht behandelt. All dies ist verständlich. Doch nach aussen wirken die Kraftwerkbetreiber, als hätten sie etwas zu verbergen. Ist das Öffentlichkeitsarbeit? Was übrig bleibt, ist eine Besuchertour im Kernkraftwerk Leibstadt – eine interessante Führung mit einer charmanten Führerin, die ihren Arbeitgeber, das KKL schätzt. „Wir sind das Gesicht nach aussen. Dass der Geschäftsleitung dieses Gesicht wichtig ist, lassen sie uns mit ihrer Wertschätzung spüren“, lobt Susanne Fischer.

Gutes Arbeitsklima

Über Menschen und Berufe im Kernkraftwerk erfahren wir wenig. Einzig im Kommandoraum, den wir von aussen einsehen dürfen, sehen wir auch aktiv Arbeitende. Sie wirken hinter Glas ein wenig wie Zoobewohner und an den zahlreichen Bildschirmen etwas gelangweilt. „Gemütlicher Job“, meint eine junge Besucherin. „Bei einem Flugzeug sind die Starts und Landungen spannend. Das ist hier auch so. Start und Landung entspricht einer Revisionen, das Hoch- oder Runterfahren des Kernkraftwerkes. Im Gegensatz zu einem Flugzeug, das spätestens, wenn sich der Tank langsam leert, landen muss, passiert dies hier einmal im Jahr“, erklärt Susanne Fischer. Rund 500 Angestellte arbeiten in Leibstadt. Voraussetzung für eine extrem hohe Arbeitsqualität sei die Atmosphäre am Arbeitsplatz. „Die Mitarbeiter sind sehr motiviert. Die Fluktuation ist gering. Das KKL tut viel für ein gutes Arbeitsklima.“ So gebe es ein Klubhaus, einen Fussballklub, eine Musikkapelle, Ausfahrten mit Motorrädern, Fahrrädern oder zum Skifahren.

Ausgeprägte Sicherheitskultur

Kernkraftwerke sind 24 Stunden am Tag und sieben Tage in der Woche in Betrieb. Wer dort arbeitet, tut dies in Schichtgruppen. Eine Gruppe besteht aus acht bis zehn Personen und einem Schichtleiter. Pro Schichtgruppe hat es drei bis fünf zugelassungspflichtige Reaktoroperateure und drei Anlageoperateure. Die Reaktoroperateure arbeiten hauptsächlich im Kommandoraum, die anderen Mitarbeiter an den Anlagen, die sie auf Rundgängen kontrollieren. Ein Kraftwerk hat fünf bis sechs Schichtgruppen, die sich an drei Schichten pro Tag ablösen. Neben dem Schichtdienst gibt es einen ständigen Pikettdienst. Die Pikettingenieure stehen den Schichtleitern notfalls beratend zur Seite. Schichtleiter, Reaktoroperateure und Pikettingenieure brauchen eine Zulassung des Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorats (ENSI).   Doch in einem Kernkraftwerk braucht es nicht nur Ingenieure, Physiker und Chemiker mit Hochschulstudium. Berufsleute wie Mechaniker, Konstrukteure oder Laboranten und Mitarbeiter im Büro, bei der Betriebswache und angelernte Hilfskräfte runden das breite Spektrum in einem Kernkraftwerk ab. Hinzu kommt ein Berufsgattung, dass es wohl nur im Kernkraftwerk gibt: Die Mitarbeiter beim Strahlenschutz. Der Arbeitsplatz in einem Kernkraftwerk lässt sich kaum mit jenen in anderen Branchen vergleichen. Von zentraler Bedeutung ist der Sinn für eine ausgeprägte Sicherheitskultur. Das ist freilich auch bei Fluglosten, Lokführern oder Rettungskräften von Bedeutung. Doch im Kernkraftwerk ist diese Sicherheitskultur unterfüttert mit dem extrem strukturierten und geregelten Arbeitsablauf. Die Routine ist hier notwendige Pflicht, um eine Ausnahmesituation zu bestehen.

Ausgeprägte Fehlerkultur notwendig

Das ENSI prüft künftige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht nur auf ihre berufliche Qualifikation. Genauso wichtig sind medizinische und psychologische Tests. In der Schweiz werden die psychologischen Tests am IAP Institut für Angewandte Psychologie der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften gemacht. Ein grosser Teil des Personals im Kernkraftwerk Leibstadt sind noch Mitarbeiter der ersten Generation. Sie kennen teilweise noch das innerste Wesen des Ungetüms aus der Zeit vor der Inbetriebnahme. Das ermöglicht ein tiefes Verständnis für das Werk und verbindet die Mitarbeiter untereinander. Es gibt einige mögliche Ausbildungswege, um in einem Kernkraftwerk arbeiten zu können. Einer dieser Wege ist ein Studium an der Eidgenössisch Technischen Hochschule (ETH) in Zürich. Die Schweizer Kernkraftwerke, aber auch Behörden wie das ENSI (Eidgenössisches Nuklearsicherheitsinspektorat) rekrutieren Mitarbeiter teilweise aus diesem Reservoir. Hinzu kommen aber auch Absolventen anderer Studienrichtungen und Quereinsteiger. Seit 2008 unterrichtet der Deutsche Michael Prasser Kerntechnik, das jährlich zwischen 12 und 15 Studenten mit dem „Master of Science in Nuclear Engineering“ abschliessen. Weitere rund 15 Studentinnen und Studenten belegen Energie- und Kerntechnik auch im Rahmen anderer technischen Studienrichtungen als Wahlfach. Prassers Lehrstuhl wird zu 30 Prozent vom Paul Scherrer Institut (PSI) und zu 70 Prozent von Swisselectric und damit von der Energie-Branche finanziert. Die Unterrichtssprache an der ETH ist zwar englisch. Dennoch sind Deutschkenntnisse an den Schweizer Kernkraftwerken willkommen. „Die Internationalität widerspiegelt die Situation der Schweiz“, findet Prasser. Er ist froh über die vielen ausländischen Studenten, denn so kann er ihnen auch ein wenig die Sicherheitskultur der Schweiz vermitteln. Die ETH führt die Ausbildung zu Nuklearingenieuren gemeinsam mit der EPF Lausanne durch. „Dort gibt es den Schulungsreaktor Crocus. Dies genügt“, erklärt Michael Prasser. Er sieht keine gravierenden Probleme darin, dass 2011 der Forschungsreaktor Proteus am Paul Scherrer Institut (PSI) und 2013 der Schulungsreaktor in Basel stillgelegt wurden. Lieber hätte er allerdings einen Forschungsreaktor und die nötige finanzielle Unterstützung für die entsprechenden Forschungsthemen dazu. Zwischen Prasser, seinen Studenten und dem PSI, einem der weltweit renommierten Forschungsinstitution, ist die Zusammenarbeit eng. Neben der Ausbildung auf dem akademischen Weg bietet das PSI auch regelmässig den „Fortbildungskurs Kernenergie“ an. Er richtet sich an Fachleute der Kernenergiebranche und Nachwuchskräfte mit Vorwissen. Zudem bieten auch die Universität Bern und Basel, sowie Fachhochschulen Unterrichtseinheiten zum Thema Kernenergie an. Trotzdem schreibt das Nuklearforum Schweiz im 2013 veröffentlichten Dossier: „Lehre, Forschung und Nachwuchs in der Schweizer Kernenergie“ alarmiert: „Insgesamt lassen die aktuellen Entwicklungen auf dem Gebiet der Kernenergie den Schluss zu, dass ohne Gegensteuer die Ausstiegspolitik des Bundesrats zu einem Kompetenzverlust führen dürfte.“ Das Nuklearforum kritisiert die Tendenz, dass die Finanzierung von Lehre und Forschung immer mehr in private Hände übergehe – um die Staatskasse zu schonen. 

Aussteigen und trotzdem forschen

Deutschland, die Schweiz und längerfristig wohl auch andere Länder werden aus der Kernenergie aussteigen – ob aus politischen oder wirtschaftlichen Gründen sei dahingestellt. Konkret bedeutet dies nach den Vorstellungen beispielsweise der Schweizer Regierung: Ein Bauverbot für neue Kernkraftwerke und die Wiederaufbereitung von Kernbrennstoffen und Betriebserlaubnis für die bestehenden Atomkraftwerken unter immer grösserem finanziellen Druck. Gleichzeitig sagt der Bundesrat auch: Die technische Entwicklung der Kernenergie geht weiter, und die Schweiz soll nicht abseits stehen. Das weckt bei Kernenergiegegnern Ängste, das Rad der Geschichte könnte irgendwann zurückgedreht werden. Doch dieses Rad ist durch das Bauverbot und die immer teureren Gestehungskosten des Stroms blockiert. Umgekehrt aber muss im Bereich der Kernenergie weiterhin geforscht werden und zwar solange noch Kernkraftwerke betrieben werden oder sich im Rückbau befinden. Und auch für die Endlagerung müssen Wissenschaftler forschen können. Ganz gleich, ob es die Forschung an der Kernenergie oder den Arbeitsplatz Kernkraftwerk betrifft: Die ungewisse Zukunft könnte sich als Hindernis bei den Bemühungen erweisen, die am besten qualifizierten Mitarbeiter zu finden. Und doch muss dies der Standard sein. Vor allem wenn es um Sicherheitsfragen geht.


Anonym, Arbeiter in Fukushima-Daiichi, Japan: "Wir arbeiten unter Extrembedingungen."

Nuclear Power's Economic Death, a Speech by Mycle Schneider

  • Mycle Schneider, an independent international energy and nuclear policy consultant and lead author and lead author of the annual World Nuclear Industry Status Report, provides an economic analysis of the cost of nuclear power

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English translation:
Elana Summers

 

Russian translation:
Alexej Scherbakov

 

Local interpretors: Galina Kovalch (Belarus),
Irina Gasanova (Ukraine), Chikako Yamamoto (Japan)

 

Authors:
Martin Arnold, freelance journalist, author and media entrepreneur for the past 30 years
Urs Fitze, freelance journalist, reportage on politics, the economy, science, travel and the environment" target="_blank">www.seegrund.ch,

 

 

Our Aim

Without provoking or causing a scandal, www.society-and-the-atom.org wants to shake things up a bit by encouraging society to reflect on a subject that affects all of us: nuclear power. It is a subject that polarises, turning opponents and supporters into ideologues. And it is a subject that divides the informed and the uninformed in a way that creates intentional and unintentional dependencies. Against the background of the current debates on the 'energy transition', we want to contribute a critical discussion for all those who want to more know about nuclear power. And we want to do our bit to overcome the deep ideological divide that separates supporters and opponents. When it comes to this subject, the truth very quickly becomes relative – or is made relative. You move around in an area where experts, opinion makers, ideologues, affected persons, victims, lobbyists, politicians and world saviours jostle against each other. Everyone should be able to have their say, to tell their truth. The truth of the radiation victims as well as that of the power plant operators, the supporters and the opponents. The second objective of the book is to explore the many facets of truth – and remain receptive to all those who want to make it comfortable for us.

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